|
In der Enge der weitgehend erhalten gebliebenen alten Dorfstruktur des Straßenbereichs "Goldener Winkel" steht die kleine Kapelle. An dieser Stelle, einstmals der "Brink" am nördlichen Rand des dicht bebauten Dorfkerns, war Platz vorhanden, als im Dorf vor unbekannter Zeit erstmals eine Kapelle gebaut werden sollte. Insoweit unterscheidet sich
das alte Northen von den Dörfern, die erst in einer späteren Phase des
Landesausbaus planmäßig als Haufendörfer mit einem Bauplatz für die Kapelle in der Dorfmitte gegründet wurden. Verhältnismäßig spät gibt es Nachrichten über die Northener Kapelle. Als 1542/44
nach Einführung der lutherischen Konfession im Fürstentum Calenberg eine Reform-Kommission die Kirchengemeinden und die Klöster visitierte, wurde in dem Visitationsprotokoll über die Mutterkirche in Ronnenberg auch deren "Filial"-Kapelle in Northen erwähnt. Ebenso ist die
Kapelle in der Niederschrift über eine weitere Visitation im Jahre 1588
aufgeführt. Sie war die Vorgängerin des jetzt vorhandenen Baus. Dessen Baujahr ist nicht bekannt. Die Jahreszahl 1668
in der Wetterfahne mag ein Anhalt für die Bauzeit in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Krieg sein. Der in die Südwand eingefügte Schriftbalken "Godt der is min Trost" wird nach seiner Lage in einem wenig auffälligen Bereich des Fachwerks und nach der Art seines
Einbaus als Erinnerung aus einem Vorgängerbau übernommen sein. Gleiches gilt für die Jahreszahl 1615
und das Handwerkerzeichen NLH, die in zwei Balken an der Südseite eingeritzt sind. Sie geben keinen Aufschluss über den Zeitpunkt des Kapellenbaus. Zapflöcher und Aussparungen, die während der Reparaturarbeiten des Jahres 1986
sichtbar wurden und die ersichtlich nicht zur Konstruktion des jetzt vorhandenen Fachwerkgefüges gehören, lassen den Schluss zu, daß ein großer Teil
der Balken aus einem Abrißbau entnommen und wiederverwendet wurden.
|